Vom Korn zum nachhaltigsten Single Farm Whisky

Naturgenuss- Handwerk auf Föhr

Auf Föhr gehört "Wetter" einfach dazu. Wind (für Leute vom Festland: Sturm), Regen, Wolken, Sonne – manchmal alles an einem Tag.

Wer hier lebt und arbeitet, weiß: Man macht aus dem, was da ist, das Beste. Ganz nordfriesisch. Unkompliziert, flexibel und mit einem guten Gefühl für den richtigen Moment.

Genau so wurde auch der Besuch von Silvia, Koordinatorin des Naturgenussfestivals, bei Hinrichsen’s Farm in Dunsum zu einem besonderen Erlebnis. Eigentlich war eine Fahrt mit dem Oldtimer-Trecker über die Felder mit den Gästen geplant. Doch bei kräftigem Orkan-Böen und ordentlich Regen zeigte sich Föhr von seiner rauen Seite. Also wurde die Genusstour kurzerhand von Jan Robert Hinrichsen so gestaltet, wie sie an diesem Tag am besten passte: mit spannenden Geschichten im Hofladen, Gang zu den Bio-Kornfeldern, der Mälzerei, dem Fasslager in der ehemlaigen Scheune und der Destille. Und natürlich zum Schluss mit einem gemeinsamen Whisky Tasting.

Los ging es im schönen Hofladen mit Restaurant. Nicht verschweigen sollte man, das man hier hervorragend essen kann. Vom leckeren Burger mit eigenem Fleisch der Shorthorn Rinder oder vegetarisch mit Backensholzer Käse, kann man sich schon auf die Führung einstimmen.

Zu Beginn erzählte Jan Robert Hinrichsen von der Geschichte der Familie, dem Auswandern seines Großvaters nach Amerika, New York und dem Wiederkommen seines Vaters nach Föhr, vom Hof in Dunsum, von der lebendigen und tollen Gemeinschaft auf der Insel, von der Landwirtschaft auf Föhr und von seiner Idee, einen Whisky herzustellen, der wirklich von hier kommt. Von seiner Farm in die Destille, alles selbstgemacht. Und wie die Familie Hinrichsen in den USA auf diese Idee gekommen ist. 

"SIngle Farm Whisky" -  genau das macht Hinrichsen’s Whisky so besonders: Die Gerste wächst auf den eigenen Biofeldern, wird auf dem Hof verarbeitet, gemälzt, gebraut, gebrannt und später in der Scheune gelagert. Vom Feld bis ins Glas – nicht als Werbespruch, sondern als echtes Handwerk.

Über den Hof, gleich neben dem Fußballgolfplatz, übrigens ebenfalls eine Idee der Hinrichsens, wächst die Gerste für den Whisky. Auf den ersten Blick sieht man: Hier geht es nicht um Hochglanz-Landwirtschaft. Auf den Biofeldern wachsen auch Beikräuter und Blumen. Das bedeutet weniger Ertrag und mehr Arbeit, schafft aber Lebensraum für Insekten – und gehört bei Hinrichsens bewusst zum Charakter des Whiskys dazu.

Besonders eindrucksvoll war der Besuch im Fasslager. Dort reift der Whisky in unterschiedlichen Fässern, die alle ihre eigene Vorgeschichte mitbringen. Manche enthielten vorher Rum, andere Wermut oder Sherry. Das Holz, diese Aromen und das Inselklima geben dem Whisky mit der Zeit seinen besonderen Geschmack.

Probiert wurde direkt aus dem Fass. Schon jetzt spannend – aber, wie Jan erklärte, braucht guter Whisky vor allem eines: Zeit. Genau das macht den Besuch so reizvoll. Man erlebt nicht nur ein fertiges Produkt, sondern den Weg dorthin.

Wer möchte, kann bei Hinrichsen’s Farm sogar ein eigenes Fass lagern lassen. Außerdem gibt es mit „De leenger wai“ eine besondere, auf 100 Plätze begrenzte Mitgliedschaft, bei der Whiskyfreund*innen die Reifung über Jahre begleiten und regelmäßig besondere Abfüllungen erhalten sowie auch, wenn gewünscht, fast "Familienanschluss" mit Übernachtung bei Hinrichsen´s und Mitmachen bei der Ernte. 

Zum Schluss ging es in die Herstellung und zur Destille – dorthin, wo aus Getreide, Wasser, Handwerk, Geduld und viel Erfahrung der Frisian Single Farm Whisky entsteht. Danach folgte natürlich noch ein Tasting.

Ein wirkliches Erlebnis auf Deutschlands einziger Farm, die einen 100 % Single Estate Whisky herstellt. Hinrichsen’s Farm Distillery wurde sogar aktuell bei den World Whiskies Awards 2026 als nachhaltigste Distillery und beste Single Estate Distillery ausgezeichnet.

Ein ganz wunderbares Beispiel dafür, wie Naturgenuss schmecken kann, wenn Landwirtschaft, Familiengeschichte, Bio-Anbau, Handwerk und Inselklima zusammenkommen. Einen Besuch können wir nur empfehlen - egal bei welchem Wetter. 

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