Die Rückkehr der wilden Natur auf Föhr

Die Premiere des Naturgenussfestivals Schleswig-Holstein auf Föhr war ein voller Erfolg.

Seit 14 Jahren gibt es das Naturgenussfestival nun schon, ab Juni 2019 hat es auch auf der „Friesischen Karibik“ Einzug gehalten.

Sterne über Föhr – Naturgenuss-Kombi für Freunde der Insel

Unter dem Motto: “Sterne über Föhr“ gab es für die Gäste im Restaurant „Alt Wyk“, dem einzigen Sternerestaurant auf der grünen Insel, ein 3-Gang-Menü.

Meisterlich zubereitet von Küchenchef André Dittrich, charmant serviert von Gastgeberin Daniela Dittrich. Im Hauptgang das Naturschutzrind Galloway, begleitet von Frühlingsgemüse und Kartoffel-Gnocci. Denn das ist eine der Besonderheiten des Naturgenussfestivals: Im Hauptgang gibt es Fleisch der tierischen Naturschutzhelfer, die auf den Flächen der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein das ganze Jahr über weiden. Dazu leckere Zutaten aus der Region.
Zwischen den Gängen kamen die 14 Gäste schon gut ins Gespräch und stellen viele Fragen an Janis Ahrens, Maßnahmenmanager der Stiftung für dieses Projekt, Dieter Risse, 1. Vorsitzende Elmeere e.V. und an Silvia Janzen, Naturgenussfestival, Stiftung Naturschutz. Nach dem köstlichen Menü und vielen Informationen ging es dann auf die Naturschutzfläche um live zu erleben, wie hier ein neuer Naturraum geschaffen wurde. Auch ein Froschkonzert wird eventuell zu hören sein.

Kreuzkröte wird wieder angesiedelt – Artensterben auf Föhr dramatisch

Der Verein Elmeere schafft Refugien für bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Ihn gibt es seit 24 Jahren und ihm gehören bis jetzt rund 14o Hektar Naturschutzfläche auf Föhr. Dies war vorher oft Grasland. Gemeinsam mit der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein wurde nun eine ehemalige Kiesgrube in Borgsum zum Paradies für Amphibien, Vögel, Pferde und wilden Kräutern. Dabei half auch die vom Kreis Nordfriesland unterstütze „Amphibieninitiative 2.0“. Denn (nicht nur) auf Föhr ist das Artensterben von Amphibien dramatisch.

Die Kreuzkröte, die nun wieder angesiedelt wird, war hier ausgestorben. In der ehemaligen Kiesgrube wurde ein Gewässer neuangelegt und sechs kleine Gewässer saniert – die aber im Sommer oft trockenfallen. Es wurden Weidengehölze entfernt, die Ufer abgeflacht und die Teiche entschlammt. Zudem werden um die Gewässer neue sandige Flächen geschaffen, in die sich die Tiere tagsüber und zur Überwinterung eingraben können. Die Fläche ist im Eigentum des Naturschutzvereins Elmeere e.V.. Für die langfristige Offenhaltung der Gewässerränder sorgen Pferde, die diese Fläche beweiden. Genau dieses besondere Gebiet war Ziel unserer Abendwanderung.

Eine Pionierart ist Wegbereiter für andere Arten

„Die Kreuzkröte ist auf der Nationalen Roten Liste, gilt als bedroht und ist geschützt. Sie ist eine Pionierart. Sie sind hier die ersten, die neue dynamische Lebensräume besiedeln.“ so Janis Ahrens, Maßnahmenmanager der Stiftung, der die Naturgenussfestival-Wanderung begleitet. Als Pionierbesiedler von vegetationsarmen Trockenbiotope, manchmal mit kleineren Wasseransammlungen, gibt es für die Kreuzkröten oft keine Laichgewässer mehr in der Natur. Die intensive Landnutzung, die Umnutzung von Brachland oder ehemaliger Kieskuhlen, macht nicht nur Ihnen zu schaffen. Wenn Sie sich hier einlebt, kommen viele andere Arten dazu. Wozu sind denn Kröten da, wurde gefragt. Kröten sind im Garten nützlich, fressen sie doch viele Schädlinge. Sie haben aber viele Feinde wie Greifvögel, Igel oder Marder.

Wanderung mit vielen Ein- und Ausblicken

Es gibt viel zu entdecken in der ehemaligen Kieskuhle! Neugierige Ponys folgen uns auf Schritt und Tritt. In der letzten Abendsonne wärmt sich eine Waldeidechse auf einen Stein. Kibitze fliegen aufgeregt herum, haben sie doch gerade Junge bekommen. Da passen wir auf!

Die Feldlerche, übrigens Vogel des Jahres 2019, singt und – wir trauen unseren Augen fast nicht – auf einem trockenem Gebüschhaufen sitzt (wahrscheinlich) eine Wiesenweihe. Ein habichtartiger, eleganter Greifvogel.
In einer Kies-Steilwand finden sich ca. 50 fast kreisrunde„Löcher“. Dies sind Nester, gebaut von der Uferschwalbe!

Alles hat hier, in der wieder zurückgekehrten Natur, einen Sinn und eine Aufgabe. Die Ponys fressen die Weidenbüsche und Brombeeren ab, verdichten aber den Sand nicht zu sehr, so dass die Kreuzkröten gut bestehen können. Viele Wiesenkräuter haben sich in den 3 Jahren, seitdem hier ein neuer Lebensraum durch die Renaturierung geschaffen wird, gebildet. Die kleinen Wasseransammlungen wurden in diesem Frühjahr von einem Bagger gebuddelt.

Die Wanderung schafft viele Einblicke in den gelebten Naturschutz und wie wichtig jede Art ist. Die Dramatik des Artensterbens durch die unterschiedlichen Faktoren, mitten im Nationalpark Wattenmeer, war den Gästen nicht klar.

Dieter Risse und Dr. Helmut Finckh, 1. und 2. Vorsitzender des Elmeere e.V. beschrieben sehr interessant die Entwicklung auf der Insel Föhr und die Bedeutung des Naturschutzes sowie die Maßnahmen, die der Elmeere e.V. bislang durchgeführt hat und was geplant ist. Übrigens besitzt der Verein aus rund 40 Galloways, die auf den unterschiedlichen Flächen als tierische Naturschutzhelfer weiden. Ein paar, die in Reetmeere bei Alkersum weiden, haben wir vor der Veranstaltung besucht. Hier wurden auch Moorfrösche vor einiger Zeit wieder angesiedelt. Diese fühlen sich dem Vernehmen nach sehr wohl.

Naturgenussfestival: Alles dreht sich um den Naturschutz in der Heimat – und den Genuss

„Mit Genuss die Natur retten.“ Das ist das Credo des Naturgenussfestivals – mittlerweile das größte Festival in Deutschland, bei dem sich alles um den Naturschutz dreht. Über 120 Veranstaltungen mit rund 100 Partnern zeigen Naturgenuss in allen Facetten.

Es lädt ein, die einzigartige und unverwechselbare Natur Schleswig-Holsteins zu genießen und wieder zu entdecken.
Übrigens: Das Naturgenussmenü im Restaurant Alt Wyk gibt es noch bis Ende Juni 2019. Eine Reservierung empfiehlt sich!

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