Wilde Raritäten zur Extratour Schalkholz

Bunte Wildpflanzen mit schleswig-holsteinischen Wurzeln und echtem Seltenheits-Wert gab es zur Extratour ins Stiftungsland Schalkholz/Krim

Naturgenuss pur – ganz ohne kulinarische Zutaten – gab es zur Extratour der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein ins Stiftungsland Schalkholz/Krim in Dithmarschen. Bunte Wildpflanzen mit schleswig-holsteinischen Wurzeln und echtem Seltenheits-Wert spielten zwar eine große Rolle – aber zum Essen sind sie nicht gedacht: Sie wurden mit viel Liebe und Handarbeit in der eigens dafür gegründeten Arche-Gärtnerei vermehrt, um sie im Stiftungsland vor dem Aussterben zu bewahren.

„Das sehe ich auch nur alle zehn Jahre!“, freut sich Hauke Drews, einer der beiden Stiftungsexperten, als er ein fürs Laien-Auge unscheinbares gelbes Gewächs auf dem Sandboden sieht: „Das Niederliegende Johanniskraut!“

25 Besucher*innen konnten dank der Artenkenntnis der Vielfaltschützer und Biologen Christian Dolnik und Hauke Drews feststellen, wie viele seltene Pflanzen , aber auch gefiederte Bewohner das kleine Stiftungsland Schalkholz/Krim hat.

Auf der einen Seite gibt es „Hungerkünstler“, die den eigens für sie wieder hergestellten nährstoffarmen Sandboden lieben: Das Echte Tausendgüldenkraut, Wilder Thymian, Harzer Labkraut, Silber-Fingerkraut, Gemeiner Wundklee und auch das Heidekraut.

Dass darunter viele seltene, gefährdete Pflanzen sind, kommt nicht von ungefähr: Viele engagierte Bürger der Initiative „Bürger in Aktion – für eine lebenswerte Eiderregion e.V.“ und das „Bündnis Naturschutz in Dithmarschen e.V.“ haben in den letzten Jahren geholfen, Tausende von seltenen Wildpflanzen in den Boden zu bringen.

Am Exkursionstag blüht von den fünf Raritäten Arnika, Färberscharte, Teufelsabbiss, Schwarzwurzel und Flockenblume nur die Arnika, die anderen schieben zwar Blätter, machen sich aber noch hübsch für einen späteren Blühzeitpunkt. Dafür kommt die Arnika besonders zur Geltung. Die gelbe Schöne ist recht zickig in Sachen Vermehrung. „Es können nur die Pflanzen den trockenen Sommer überleben, die mal begriffen haben, dass sie ihre Wurzeln wirklich tief in den Sand stecken müssen, um genügend Feuchtigkeit zu bekommen!“ sagt Christian Dolnik und sieht dabei eine Arnika so beschwörend an, dass die sich sicherlich alle Mühe geben wird, seiner Aufforderung nachzukommen.

Gleich daneben wird es nass. Unvermittelt geht der Sandboden über in Moor und Wasserflächen. Die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein hat hier mit Mitteln des Kreises Dithmarschen Wälle aufgeschüttet, um Moorboden wieder zu vernässen. Damit bringt sie zum einen die spezielle Artenvielfalt dieses Lebensraumes zurück, zum anderen aber betreibt sie Klimaschutz: Denn intakte Moore binden Kohlenstoff aus der Luft und sind damit Schleswig-Holsteins beste CO2-Speicher und damit Klimaschützer Nummer eins, während entwässerte Moore Umweltsünder sind, indem sie Co2 freisetzen.

Während Hauke Drews Torfmoose zeigt, die verantwortlich sind für das Moorwachstum, kreisen über den Wasserflächen ein Rohrweihenpaar, Kiebitze, Brandgänse, Rotschenkel und Austernfischer und erfüllen die Luft mit ihrem Geschrei.

Zu guter Letzt interessiert sich auch noch die Rinderherde, die als Landschaftspflege-Truppe auf vier Beinen das Gebiet beweidet, für die zweibeinigen Gäste und galoppiert in gebührendem Abstand, Staubwolken aufwirbelnd, hinter der Menschengruppe her, bleibt abrupt stehen, starrt regungslos und schweigend die Eindringlinge an, um dann umzukehren und wieder davon zu stieben.

„Was? Schon nach 17 Uhr?“ wundert sich eine Teilnehmerin zuletzt. „Die Zeit vergeht ja wie im Flug, bei dem, was es hier alles zu sehen gibt!“

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Extratour im Stiftungsland Schalkholz
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Vielfaltschützerin Barbara Wilhelmy mit Arnika
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Vielfaltschützer Christian Dolnik mit dem Mausohr des kleinen Habichtskrauts
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Vielfaltschützer Hauke Drews mit Arnika
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Die Rinderherde