Lotseninsel AHOI

Abwechslungsreiche Naturgenussfestival Tour

Gleich zu Beginn der Lotseninsel AHOI Tour werden die Gäste überrascht:
Ein Bleistift mit Thymiansamen in der grünen Endkapsel (statt Radiergummi) ist die Eintrittskarte für diese begehrte Tour. „Diesen Bleistift bitte gut aufbewahren. Er ist ihre Eintrittskarte für unsere Naturgenussfestival-Tour, dann erhalten sie nach der Wanderung ein Bio-Picknickpaket von unserem Partner Brotgarten und wenn Sie zu Hause sind, können Sie die Thymiansamen in das heimische Beet streuen und sich später am Anblick erfreuen sowie an die schöne Tour zurückdenken!“ so die Betreuerinnen der Stiftung Naturschutz Antje Walter und Silvia Janzen.

Zuerst geht’s aufs Außendeck des Schiffes „Stadt Kappeln“. Alle Gäste legen entweder ein negatives Testat vor, Impf- oder Genesungsbescheinigung. Kapitänin Seebode nimmt dies ganz genau! Aber kein Problem, alle sind gut vorbereitet! Dann geht’s die Schlei hinauf mit Zwischenstopp in Maasholm, wo Dieter Wilhelm, Betreuer der Lotseninsel für den Verein Jordsand und Vogelkenner, zu steigt.
In Schleimünde werden die Rucksäcke und Wanderstiefel geschnürt und ab ins streng geschützte Gebiet der Lotseninsel.

Gleich zu Beginn weist Dieter Wilhelm auf die noch brütenden Vögel hin und prompt fliegt ein kleiner Sandregenpfeifer aufgeregt hoch – er bewacht sein Nest! Vorsichtig schleicht die Gruppe dem Strand entgegen. Vorbei am ausgetretenen Rinderpfad und Steinhaufen geht’s gen Leuchtzeichen - und siehe da: Der selten gewordene Meerkohl steht wild blühend direkt vor uns. Antje Walter, Projektleiterin des „Blütenbunt – Insektenreich“ Projektes erklärt dieses urige Gewächs den staunenden Zuhörern: „Der Echte Meerkohl steht in Deutschland unter Naturschutz. Er wurde früher auch als Nahrungs-und Futterpflanze genutzt. Auch heute geht dies noch  - wenn man ihn bei sich im Garten zieht, was durchaus machbar ist, wenn der Untergrund stimmt. Der Meerkohl schmeckt angenehm mit leicht salzigem Geschmack.  Er überwintert, ist mehrjährig und hat eine dicke, verzweigte Wurzel. Er hat sich hier an den Standort angepasst und besiedelt gerne karge Küstengebiete. Wie ihr sehen könnt: Die Rinder mögen ihn gerne, er ist schon etwas angeknabbert.“

Überhaupt gibt es auf der Lotseninsel viele Pflanzenspezialisten, die sich an diesen besonderen Standort hervorragend angepasst haben. Die Überflutungen der Insel im Herbst und Winter können ihnen nichts anhaben ebenso wie die  sommerliche Trockenheit.  Denn die 112 Hektar große Halbinsel liegt nur ca. 5 m über dem Meeresspiegel und ist daher dem Meer bzw. besser dem Wind, ausgesetzt. Bei anhaltenden Westwind sinkt der Wasserspiegel – was wiederum das „Watt“ hervorbefördert und mit ihm Nahrung für die vielen Seevögel in Form von Muscheln, Krebsen, Strandschnecken, Sandwürmern. Bei Ostwind steigt der Wasserspiegel und dann heißt es für Teile der Insel „Landunter“.

Dieter Wilhelm kennt sich in der Geschichte seines betreuten Gebietes aus: „Das ganze Gebiet Schleimünde ist eigentlich aus dem Abbruch des Schönhagener Kliffs im Süden entstanden. Sand, Kies und Steine sind mit der Strömung des Wassers hierher vor Jahrhunderten getragen worden, auch aus der entgegen gesetzen Richtung schwemmten Abbrüche aus dem Steilufer von Düttebüll hierher – dies führte dazu, dass Ende des 18. Jahrhunderts die Schlei komplett verschlossen war! Die neue Schleimündung, dort wo sie heute ist, wurde 1796 durchbrochen. So entstanden die zwei Ufer dieser dynamischen Landschaft. Früher wichtig: Denn es fuhren auch Lastkähne die Schlei hinauf. Heutzutage ist auf der einen Seite Port Olpenitz und auf der anderen die Lotseninsel.“

Weiter geht’s zum lebenden Seezeichen, dem Pappelwäldchen. Es ist wohl das außergewöhnlichste, eingetragene Seezeichen und noch dazu das Wahrzeichen der Insel.
Im Schatten liegen die braunen Zottels, die Gallowayrinder. Das ganze Jahr über verbringen diese robusten Naturschutzpfleger hier auf dem Stiftungsland, bringen ihre Kälbchen zur Welt und trotzen den Jahreszeiten.

Nur wenig später entdecken wir Strandnelken, Wermutspflanzen und Schuppenmiere – auch 5-Sternblatt genannt.  Insgesamt sind 160 verschiedene und teils sehr besondere Pflanzenarten hier anzutreffen, 20 davon auf der Roten Liste.
Nach gut 2 Stunden im Gebiet wandern die Gäste zur Picknickstelle. Gemessen in km war die Wanderung kurz – gemessen an den vielen Informationen sehr rund und spannend.
Leckere Stullen von Bio Brotgarten erwarten sie und noch ein paar abschließende Infos zur Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein.
Zurück geht’s dann wieder mit der „Stadt Kappeln“ und Kapitänin Juliane Seebode, die schon auf die Gruppe wartet. Ein rundum schöner, interessanter Tag mit vielen spannenden Geschichten rund um die besondere Lotseninsel!
Übrigens: Alle Lotseninsel Touren sind für 2021 ausgebucht. Das ging in diesem Jahr ähnlich schnell, wie die Wacken Tickets vergriffen sind....Es gibt aber Wartelisten für Geduldige.

 

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